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Green Care 

Neue Wege – neue ChancenGreen Care Logo

Perspektiven säen, Wohlbefinden ernten


Modelschule Green Care

Pädagogik - Therapie -Pflege & Betreuung - Soziale Arbeit

Natur o Landwirtschaft              Wohlbefinden o Wohlergehen

  

Green Care – eine Chance für alle Beteiligten

Mit Green Care wird seit März 2011 die Lebensmittel- und Umweltkompetenz der österreichischen Bäuerinnen und Bauern um eine soziale Komponente erweitert. Die neue Produktpalette umfasst die Bereiche Pädagogik, Therapie, Pflege & Betreuung und soziale Arbeit.

Green Care ist ein Projekt der Landwirtschaftskammer Wien mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union. Seit August 2012 wird das Projekt auf ganz Österreich ausgeweitet und steht für eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen, die in Kooperation mit Sozialträgern und Institutionen direkt auf aktiven land- und forstwirtschaftlichen Betrieben angeboten werden.

Für bäuerliche Unternehmerinnen und Unternehmer stellt Green Care im Rahmen der Diversifizierung neben touristischen Möglichkeiten wie "Urlaub am Bauernhof" und der Direktvermarktung ("Gutes vom Bauernhof") ein zusätzliches Einkommensstandbein dar. Auf diese Weise können die Betriebe erhalten bleiben – eine große Chance für unsere bäuerlichen Familienbetrieben, von der auch die einzelnen Klientinnen und Klienten sowie das gesamte Gesundheits- und Sozialsystem profitieren.

Das Projekt „Green Care – Wo Menschen aufblühen“ bildet somit eine ideale Brücke zwischen Land- und Forstwirtschaft und Bevölkerung – zwischen Mensch, Tier und Natur.

Neue Wege gehen – die Gunst der Stunde nutzen

Österreich steht vor einer Reihe gesellschaftlicher Herausforderungen, wie Überalterung, Arbeitsintegration von Jugendlichen und Migrantinnen und Migranten, Invaliditätspension, Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung, Arbeitsverlust durch psychosomatische und psychischen Erkrankungen oder Burnout.

Beispielsweise mussten 44,5% aller im Jahr 2010 in Österreich für arbeitsunfähig erklärten Angestellten aus psychischen Gründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden.[1] Auch wird es in den nächsten Jahren gesellschaftspolitisch zunehmend an Bedeutung gewinnen, Menschen mit Behinderung in den Arbeitsprozess zu integrieren und ihnen eine sinnvolle Tätigkeit anzubieten. Die Überalterung der Bevölkerung und die darauf aufbauende Steigerung der Demenzerkrankungen sind weitere Themen, denen in der "Europa 2020"-Strategie für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum große Bedeutung beigemessen wird. 2020 wird Schätzungen zufolge bereits jeder vierte Österreicher über 60 Jahre alt sein.[2]

Doch auch die Landwirtschaft unterliegt einem Wandel. Im Rahmen der Agrarstrukturerhebung 2010 wurden österreichweit 173.317 land- und forstwirtschaftliche Betriebe gezählt. Im Vergleich zur letzten Vollerhebung im Jahr 1999 bedeutet dies einen erheblichen Rückgang – um ein Fünftel.[3]

Immer weniger junge Menschen übernehmen Agrarbetriebe und erhalten die einzigartige landwirtschaftliche Struktur, Kultur und ihre Leistungen auch für künftige Generationen. Innovative und nachhaltige Maßnahmen sind dringend erforderlich, um die agrarische Tätigkeit attraktiv und wirtschaftlich zu erhalten.

Laut der Agrarstudie 2012[4] sind 64% der befragten Bäuerinnen und Bauern davon überzeugt, dass sich soziale Dienstleistungen sinnvoll in die Landwirtschaft integrieren lassen und auch Möglichkeiten für sie bieten.

Aufgrund all dieser Herausforderungen sind neue Modelle gefragt. Green Care schafft eine Win-Win-Situation für Bäuerinnen und Bauern, die angesprochenen Zielgruppen sowie das gesamte Gesundheits- und Sozialsystem. Green Care-Initiativen sollen traditionelle Gesundheits- und Sozialleistungen jedoch nicht ersetzen bzw. mit ihnen in Konkurrenz stehen, sondern ergänzende, spezifische und qualitativ hochwertige Angebote schaffen.

 „Die Pflege wird im ländlichen Raum zu einer der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre. Gerade bäuerliche Betriebe bieten älteren Menschen eine vertraute Umgebung und wichtige soziale Kontakte zu den Tieren am Hof.“

Ök.-Rat. Gerhard Wlodkowski

Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich

„Green Care ermöglicht es unseren Bäuerinnen und Bauern ihre Betriebszweige um die soziale Komponente zu erweitern und stellt gleichzeitig eine interessante Form der Erwerbskombinationen

im Sozialbereich dar.“

ÖR Ing. Franz Reisecker

Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich

 

Green Care – ein internationales Erfolgsmodell

Was in Österreich noch ein weitgehend ungenutztes Feld ist, das erst von einigen Pionierinnen und Pionieren bewirtschaftet wird, stellt in anderen Ländern bereits eine weitverbreitete und höchst gefragte Praxis dar. In den Niederlanden kann Green Care mittlerweile auf eine mehr als 20-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken und rund 1.000 stolze Betriebe präsentieren.[5] Norwegen gilt als Vorzeigeland, wo die Verantwortlichen aller betroffenen Ministerien (Ernährung und Landwirtschaft, örtliche Regierung und regionale Entwicklung, Gesundheit und Betreuungsdienstleistungen, Arbeit, Bildung und Forschung sowie Justiz und öffentliche Sicherheit) in enger Zusammenarbeit eine nationale Green Care-Strategie entwickelt haben. Rund 10.000 Green Care Klientinnen und Klienten werden dort bereits von 1.100 Betrieben betreut. In vielen anderen Ländern wurde inzwischen ebenfalls erkannt, dass Green Care eine große Chance für die gesamte Gesellschaft darstellen kann.

Auch wenn es in Österreich derzeit noch keine derartig klar geregelten Strukturen gibt, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es hierzulande – mitunter seit vielen Jahren – erfolgreiche Green Care-Pionierbetriebe gibt, die sich allen Hindernissen zum Trotz durchgesetzt haben. Anfangs oft belächelt, haben sich diese Green Care-Initiativen mit ihrem einzigartigen Angebot an "grünen" Dienst- und Sozialleistungen am Markt bewährt und können auf eine Schar an begeisterten Klientinnen und Klienten verweisen.

 

Green Care-Zertifikat als Qualitätsnachweis

Wie bereits in den Niederlanden und in Norwegen üblich, sollen künftig auch in Österreich Betriebe, die alle Voraussetzungen für Green Care erfüllen, zertifiziert und ausgezeichnet werden. Damit kann einerseits die hohe Qualität der Anbietenden gewährleistet und andererseits Vertrauen und Sicherheit für Klientinnen und Klienten, Sozialträger und andere Institutionen in Green Care-Produkte geschaffen werden.

„Green Care zeigt eindrucksvoll, dass unsere Landwirtschaft neben der hochqualitativen Lebensmittelproduktion auch in den Bereichen Gesundheit und Bildung für die Bevölkerung äußerst wichtig ist.“

Ing. Robert Fitzthum

Direktor der Landwirtschaftskammer Wien

 (Seite 5, Innenteil)

Grüne Infrastruktur – Mehrwert für alle Beteiligten

Die Möglichkeiten für Bäuerinnen und Bauern, sich in Green Care-Projekte einzubringen, sind vielfältig: sei es durch die Vermietung freistehender Infrastruktur am Hof (Nutzung von vorhandenen Räumlichkeiten) oder durch die Einbringung eigener Qualifikationen als Kindergärtner/-in, Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenpfleger/-in, Ergotherapeut/-in und/oder Sozialarbeiter/-in. Der Arbeitsplatz am eigenen Betrieb kann dadurch langfristig gesichert und die Lebensqualität der bäuerlichen Familie gesteigert werden. Neue Einkommensquellen sowie zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, wodurch die Wirtschaft im ländlichen Raum gesteigert und die Regionen belebt werden.

Selbstverständlich kann Green Care nicht das Patentrezept für jeden Betrieb sein. Das gewünschte Green Care-Produkt muss zum Betrieb und zur Lebenssituation der bäuerlichen Familie passen. Zusätzlich sind oft Investitionen notwendig, um beispielsweise barrierefreie Zugänge zu schaffen.

Grundvoraussetzung für eine Green Care-Teilnahme ist jedenfalls immer, dass der Bäuerin oder dem Bauer die entsprechende soziale Arbeit eine Herzensangelegenheit ist.

Durch die Kontakte zwischen Mensch, Tier und Natur wird das geistige, seelische, körperliche und soziale Wohlbefinden der Klientinnen und Klienten gestärkt. Die Zielgruppe ist breit und umfasst Personen jeden Alters und jeder Herkunft. Vom sogenannten „Zappelphilipp“ über die/den ausgebrannte/n Manager/-in bis hin zu Langzeitarbeitslosen, älteren Personen und Menschen mit Behinderung bietet Green Care für jede, jeden ein attraktives Angebot. Die Betriebe selbst werden dabei zum Arbeits-, Lebens- und Erlebnisraum und bieten Perspektiven für ein gesundes, ausgewogenes Dasein in und mit der Natur.

Für Kooperationspartner entstehen neue und innovative Produkte und Dienstleistungen. Durch Green Care kann das konventionelle Angebotsportfolio erweitert und ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen werden. Green Care bietet Sozialträgern und Institutionen die Möglichkeit, den vielen gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden und auch den ländlichen Raum entscheidend miteinzubeziehen.

Für Firmen werden die soziale Komponente (Corporate Social Responsibility) und damit das Thema gelebte unternehmerische Sozialverantwortung in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Da Green Care ein moderner, innovativer und sektorenübergreifender Bereich ist, stehen die verschiedenen Initiativen auch oft im Interesse der breiten Öffentlichkeit.

„Dank Green Care gibt es nun für die Stadtbevölkerung eine innovative Brücke zur Landwirtschaft. Wir wollen unser Angebot mit neuen innovativen Green Care Geschäftsmodellen erweitern um damit die Vielfalt der Landwirtschaft für unsere Kunden erlebbar zu machen.“       

DSA Robert Bacher

Fonds Soziales Wien – Fachbereichsleiter Behindertenarbeit, Mobilität und Beratung

„Green Care betrifft natürlich auch den Wald -die Quelle der Nachhaltigkeit. Mit Hilfe des Waldes kann einerseits das Wohlbefinden der Gesellschaft verbessert und langfristig erhalten werden, andererseits kann durch Green Care eine zusätzliche Einkommensquelle für die Forstwirtschaft geschaffen werden.“

DI Gerhard Mannsberger

Sektionschef Forstwesen, Lebensministerium

 

Pädagogik – nachhaltige Bildung

Durch nachhaltige Bildung kann die Gesellschaft von Grund auf wesentlich gestärkt werden. Green Care macht das spannende und vielfältige Thema Land- und Forstwirtschaft mit pädagogischen Angeboten für die Bevölkerung – angefangen von Kindern und Jugendlichen über Menschen mit Behinderung bis hin zu älteren Personen – erleb- und begreifbar. Schließlich lernt man nirgendwo besser als am Ort des Geschehens selbst. Die Angebote reichen vom Kindergarten über die Nachmittagsbetreuung bis zur (Teil)Lehre am Hof, im Wald, in der Gärtnerei oder im Weingarten.

[1]  Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie

[2] Statistik Austria Bevölkerungsprognose 2011

[3] Statistik Austria Agrarstrukturerhebung 2010

[4] „market institut“, n=801 telefonische Interviews. Erhebungszeitraum: 13. Dezember 2012 bis 05. Jänner 2013

[5] www.zorgboeren.nl